Geistliche Heimat im Bayerischen Wald
100 Jahre Martin Luther Kirche in Spiegelau.

"Geistliche Heimat im Bayerischen Wald"
fester Einband, über 80 Seiten und über 80 teils farbige Abbildungen.  

ISBN 978-3-940413-02-4
Preis 14,90 EUR zzgl. Porto.
Erhältlich beim Autor
und  im Buchhandel. 

Es ist auf Anfrage möglich, einzelne Exemplare zu personalisieren. D.h. wenn Sie beispielsweise in der Martin-Luther-Kirche in Spiegelau geheiratet haben und davon Fotos existieren, lässt sich ein Band herstellen, in dem Ihre Hochzeit als eigener bebilderter Bericht mit eingebunden ist. Außerdem lassen sich spezielle Titelseiten mit Widmung herstellen. Wenn sie Interesse haben, fragen Sie beim Pfarramt oder direkt beim Autor an.

Über den Inhalt:

Der große Holzreichtum, die Wasserkraft in der Steinklamm und die 1890 erbaute Eisenbahn ziehen Unternehmer aus Sachsen und Franken in das kleine Spiegelau.

Die “Petzold-Fabrik”

Die beiden wichtigsten Unternehmen dieser Zeit sind das Sägewerk und die Holzfabrik Ernst Petzold jun. und die Holzstoff- und Pappenfabrik Wildberger im Besitz der Spedition Militzer & Münch.
Treibende Kraft beim Kirchenbau ist der Geschäftsführer der Holzstoff- und Pappenfabrik Wildberger, Jean Emil Porst. Er wird dabei in jeder Hinsicht vom Eigentümer der “Petzold-Fabrik” Ernst Petzold unterstützt. Die beiden sind aber nicht nur Geschäftsfreunde, sondern auch verschwägert.
Praktisch alle leitenden  Angestellten der beiden Firmen sind evangelisch. Dazu kommen noch die evangelischen Forstbediensteten.
Um “das religiöse Leben der evangelischen Gemeinde Spiegelau zu fördern” wird der “Evangelische Verein Spiegelau” gegründet. 19 “Familienvorstände” mit insgesamt 34 Personen gehören dem Verein bei der Gründung am 2. August 1900 an. Dazu zählt interessanterweise auch der protestantische Besitzer der Glasfabrik in Riedlhütte, Arthur Roscher.
Das große Engagement der Spiegelauer Protestanten stieß allerdings nicht überall auf Gegenliebe. Viele Widerstände mussten überwunden werden, bis das kleine Kirchlein seinem Zweck übergeben werden konnte.

Die Martin-Luther-Kirche in Spiegelau kurz vor der Einweihung 1901.

In dem reich illustrierten Band wird von den Anfängen bis zum heutigen Tag wird die 100-jährige Geschichte der Martin-Luther-Kirche dargestellt. Gleichzeitig kann man eine Menge über die Industriegeschichte Spiegelaus erfahren. Über 80 Dokumente und Abbildungen lassen die vergangene Zeit wieder lebendig werden. 

1916/17 wird die katholische Pfarrkirche erbaut. Hier ein seltenes Bild.
Beide Spiegelauer Kirchen direkt nebeneinander.

Man erfährt, wie der Evangelische Verein endlich zu einem geeigneten Grundstück kam und wer es stiftete. Wer zur Einweihungsfeier kam und wer nicht. Wie der erste Pfarrer versuchte, Jean Emil Porst vom Vorstandsposten des Evangelischen Vereins zu vertreiben.Und vieles mehr.
 

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Zeittafel - Chronologie der Ereignisse
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1. Januar 1889
In Zwiesel wird eine Reisepredigerstelle eingerichtet. Auch Spiegelau wird nun wie Grafenau von Zwiesel aus betreut.


1900
28.1.1900
Mit Gott - Protokolle der Vereinssitzungen

Protokoll der Gründungsversammlung
Aus der deutschen Schrift übertragen:
 “I. Versammlung.
Auf Veranlassung der Protestanten in Spiegelau erschienen 7 Personen im Gasthof Steinklamm um eine Vereinigung der Protestanten im Ort und Umgebung zu gründen. Nach längeren Aussprachen wird ein Protestanten-Verein gegründet und beschlossen, sämtliche Glaubensgenossen in Spiegelau und Umgebung zum Beitritt aufzufordern.
Es wird zur Wahl der Vorstandsmitglieder geschritten. … als Prüfer Herr Verwalter Porst, als stellvertretender Kassier Herr Krug, als Schriftführer Verwalter Arlt. Zur Fassung der Statuten wird beantragt, eine weitere Versammlung einzuberufen und hierzu der Gasthof Steinklamm in Neuhammer als Versammlungsort am Freitag den 2. Februar 1900 Nachmittags 4 Uhr bestimmt.

2.2.1900
Der Verein wird gegründet
Auszug aus den Statuten des Vereins:
§ 1 Der Verein hat den Zweck, das religiöse Leben der evangelischen Gemeinde in Spiegelau zu pflegen und nennt sich”Evangelischer Verein Spiegelau”.
Es ist also kein “Kirchenbauverein”, wie er oft fälschlicherweise genannt wird, wenngleich er sich dies auch als erst Aufgabe vornimmt.
Für den Zweck des Kirchenbaues wird eigens ein Bauausschuss bestimmt.

Weiter wird der Vorstand veranlasst, dahin zu wirken, dass in Spiegelau Gottesdienste abgehalten werden können und hat der Verein beschlossen eine Kapelle in Spiegelau zu erbauen. Infolge Bewilligung einer größeren Geldzeichnung und Abtretung von Grundstück seiten eines Mitglieds ist der Bau der Kapelle gesichert.

Punkt 10
Betreff des Baues der Kapelle wird eine Baukommission bestimmt und hierzu
Herr Max Fischer, Herr Hermann Exner, Herr Oswald Burkhardt
gewählt, welche ihre Beschließungen dem Vereinsvorstand unterbreiten.

4.3.1900
III. Versammlung
… durch gütige Vermittlung des Herrn Geistlichen (sind) der Gemeinde Spiegelau 12 Gottesdienste im Jahr gesichert, sobald eine Kapelle in Spiegelau erbaut ist.
Weiter hat sich Herr … Maler Ladewich, Deggendorf bereit erklärt, für die Kapelle ein Bild zu malen.
13.März 1900
Das Königlich prot. Konsistorium in Bayreuth erhält eine Anfrage wegen der Pastorisierung der Protestanen Spiegelaus. Darin ein Schreiben des Landeskonsistoriums des Königreichs Sachsen mit der Bitte um Stellungnahme. Von dort geht es weiter nach Regensburg.

28.3.1900
Regensburg hat gegen den Plan nichts einzuwenden. Vielmehr wird mit den hohen Fahrtkosten der Arbeiter und den niedrigen Kosten für so ein Kirchlein argumentiert. Außerdem kann man sich so aus Grafenau weg verlagern, wo man als evangelische Gemeinde große Probleme hat.

29.3.1900
Bayreuth schreibt nach München, man habe Regensburg zur Stellungnahme aufgefordert. Nach Bayereuth selbst sind die unzulässigen Anträge nicht gelangt. Zweifel werden angemeldet und Ärger dass man sich mit dem Kapellenbau zuerst nach Sachsen und dann erst an Bayern wendet.-Gustav-Adolf-Stiftung.

5.4.1900
Königl. Oberkons. möchte wissen, wie viel Protestanten, darunter wie viel Sachsen und ob nicht auch ein Fabrikraum geht.

15. 4.1900
In der Unterhaltungs-Beilage zur Passauer Zeitung wird ein Bericht über eine Bahnreise durch Spiegelau nach Grafenau abgedruckt. Auf diesen Bericht bezieht sich auch eine der Begründungen für eine eigene würdige Kirche.

20.41900
Reisepredigerstelle Zwiesel:
Die Zahl der Protestanten im Bereich Grafenau/Spiegelau beträgt 81 Seelen
Davon 51 Sachsen und 30 Bayern. Davon sind in Spiegelau wohnhaft 35 Protestanten, davon 32 Sachsen. Man muss dann noch weitere17 Leute dazuzählen, die über den Sommer da sind. Also 52 Protestanten, davon 42 Sachsen.
Gottesdienste in einem Fabrik- oder sonstigen Raume abzuhalten schließt der Reiseprediger aus. Er beklagt sich auch über die Verhältnisse in Grafenau und dass man dort schon verspottet würde, weil die Protestanten im Wirtshaus Gottesdienste feiern müssten.

28.4.1900
Den Spiegelauer Protestanten wird die Anrufung der bayerischen Gustav-Adolf-Stiftung und des lutherischen Gotteskastens empfohlen.

7.5.1900
Der Reiseprediger wird gemahnt, sich an die Vorschriften zu halten.
Zum Bau einer Kapelle in Spiegelau sei das sächsische Landeskonsistorium, aber nicht die für eine bayerische Gemeinde zuständige Gustav-Adolf-Stiftung in Ansbach und der lutherischen Gotteskastenangegangen worden.

7.Mai 1900
Das Oberkonsistorium eröffnet dem Konsistorium in Bayreuth und Regensburg, dass das sächsisch evangelisch lutherische Landeskonsistorium die evangelisch-lutherischen Glaubensgenossen in Spiegelau unterstützen wird. Insbesondere “die Erbauung und die Ausschmückung einer  würdigen Stätte für evangelisch-lutherische Gottesdienste.3 Jahre lang sollen jährlich 300 M jeweils im Juli übersendet werden.

16.Mai 1900
ordentliche Monats-Versammlung des Evangelischen Vereins: Geld kommt von Prokurist Zahn 50,--M, Petzold ,Werdau 15M, Roscher Regensburg 30M, Pfarrer Blendinger als Ergebnis der Sammlung des evangelischen Sonntagsblattes Redaktion 58,50M, Porti und Reisespesen nach Landau ./. 3,50

Rechtsanwalt Pohl in Traunstein veranlasst eine “Schilderung des Kirchenbaues in den 3 größten Zeitungen Bayern. Leider ist nicht bekannt, in welchen. Herr Fischer erklärt, dass er den Bauplatz zur Kirche kauft und dem Verein schenkt. Die notarielle Verbriefung erfolgt noch.
Die Besitzer der Fa. Wildberger&Co (Militzer und Münch) haben sich bereit erklärt, den Fußboden gratis zu liefern. Das Bauholz wird vom Forstamt zur Verfügung gestellt, der Einschlag geht auf Konto der Firma Petzold. Wegen der inneren Ausstattung haben Gönner des Vereins ihre Unterstützung zugesichert.
Baumeister Holzinger, der die Zeichnung angefertigt hat und Baumeister Stadler, Dillingen sind veranlasst, Kostenvoranschläge anzufertigen.
Holzingers Voranschlag liegt bei 11.277M für den Rohbau.
Wegen des Fensterglases wird mit” Gebr. Tasche” (Kathedralglas) in Zwiesel verhandelt. Herr Petzold, Schwager des Herrn Porst hat ein Preisverzeichnis für Harmonium der Firma E. Müller, Werdau.

16.5.1900
Der Reiseprediger Dietz legt in einem Schreiben an das Konsistorium in Bayreuth dar, dass die Unterstützungsbitte nicht von ihm sondern allein von den sächsischen Glaubensgenossen ohne sein Vorwissen ausgegangen ist.
“ich hätte es nicht gewagt, ohne Zustimmung meiner vorgesetzten Behörde mich an ein außerbayerisches Kirchenregiment mit einem Bittgesuche zu wenden.

19.6.1900
V. Monats-Versammlung
Porst berichtet von seinen Fahrten bei denen er Baumaterial beschafft. Dekan Koch aus Regensburg erklärt sich bereit, bei der Beschaffung der Altargefäße vermittelnd einzutreten.
Dieser rät auch, die Grundsteinlegung in aller Stille vorzunehmen. Sämtliche Versuche des Herrn Porst, Unterstützung zu erlangen hatten guten Erfolg.
Herr Fischer erklärt, den Bauplatz ganz für sich zu übernehmen und nochmals vermessen zu lassen. Es wird beschlossen den Bau so schnell wie möglich zu beginnen. Um das Bauholz wird das Forstamt Spiegelau gebeten.

6.7.1900
Vorstandssitzung: Der Bezirksamtmann teilte mit, dass die Bewilligung noch längere zeit in Anspruch nehmen wird. Man will nun Herrn Dekan Koch (der anscheinend dem Vorhaben sehr wohlgesonnen gegenüber steht) zu bitten, für die Beschleunigung einzutreten. Selbst schreibt man auch noch mal nach Grafenau.

Der bisher ins Auge gefasste Baumeister Holzinger wollte oder konnte die Zahlungsbedingungen des Vereins nicht akzeptieren, weshalb man mit einem Baumeister Kiefer verhandelt.

10.7.1900
Ernst Petzold jun. kommt persönlich  zur Monatsversammlung. Er bringt seine Freude über das Vorhaben zum Ausdruck und stiftet 1000M. Er will auch mit Rath und Tath zur Seite stehen. Er tritt dem Verein als aktives Mitglied bei.
Herr Fischer erklärt (wieder einmal), die Verbriefung des Grundstücks in den nächsten Tagen vornehmen zu lassen. Herr Pommer stiftet 50M und wird Ehrenmitglied des Vereins.

28.7.1900
Das Amtsgericht Grafenau weist die Vereinsgründung zurück, weil die Vollmacht des Vorstands nicht klar ist.

2.8.1900
Generalversammlung
Der Verein ist heute eingetragen.
 Der Vorstand wird neu gewählt. Jean Porst bleibt 1. Vorsitzender, 2. Vors.
ist Max Fischer, Johann Krug = Kassier, Robert Arlt =  Schriftführer, Reiseprediger Dietz = ständiger Beisitzender

Herr Wilsdorf will nicht Mitglied sein, stiftet aber 10M. Angesichts seines Reichtums und der Beteiligung anderer Evangelischer mit weit weniger Einkommen eine sehr geringe Summe. Der1876 in Chemnitz geborene Wilsdorf gehört ebenfalls (wie Porst) zur Familie Petzold und wird 1910 die Firma Petzold in Spiegelau übernehmen.
Herr Petzold gibt bekannt, dass Fräulein Erika Petzold das Grundstück zur Kirche mit ihren Ersparnissen stiftet, was seitens des Vereins dankend begrüßt wird.

18.8.1900
Anliegend erhalten Sie die Statuten des o.g. Vereins mit dem Bemerken zurück, … dass Änderungen in der Person des Vorstands sofort anzuzeigen sind.

20.8.1900
Der Grundstückskauf wird notariell verbrieft.
Das Grundstück wird erworben von 3 Eigentümern:
Das Kirchengrundstück kostet 519,50DM  und umfasst nicht ganz 3000qm.

4.9.1900
Der Kirchenbauplatz ist endlich gekauft und verbrieft. Dr. Müller aus Philadelphia schickt einen Dollar = 4,20DM. Das Forstamt Spiegelau bewilligt 50 cbkm Baumstämme für den Bau. Das Forstamt Klingenbrunn bescheinigt den Einschlag des Holzes. Das Bezirksamt schreibt, es seien noch einige Formalitäten vor dem Bau zu erledigen. Es wird beschlossen, den Bau der Kirchenstraße zu beginnen und dem Simon Eder im Akkord zu übergeben.
Als neue Mitglieder kommen Dr. Hummel, Spiegelau und Fabrikbesitzer Sonntag Klingenbrunn dazu.

12.9.1900
Der Bauplan ist eingereicht. Die Nachbarn sind einverstanden.

21.11.1900
Dietz schreibt an Porst. Vom Forstamt kommt als Spende das Bauholz.
Weitere Bittbriefe möchte er nicht schreiben (”... habe ich keine Neigung...”), weil er weder Schriftführer noch 1. Vorsitzender ist.
Dann macht er darauf aufmerksam, dass alle an die evangelische Gemeinde adressierten Schriftstücke in seine Hände zu gelangen haben.... Da der Vorstand einer Kirchengemeinde immer der Geistliche ist und nicht der 1. Vorsitzende des evangelischen Vereins. “… Daran müssen Sie sich schon gewöhnen”. “… Dieser Zustand kann nicht von Dauer sein … denn Vorstand ist normalerweise  (auch im Verein) immer der Geistliche.” Es folgt die Klage darüber, dass man ohne die natürliche Führung durch einen Geistlichen anzuerkennen, einfach am Reiseprediger vorbei seine Pläne durchzusetzen versucht hat.

26.9.1900
Außerordentliche Versammlung
Wieder einmal wird beschlossen, den Bezirksgeometer zu beauftragen, die Grenzen des Kirchengrundstücks richtig zu stellen.

4.12.1900
Unterstützungsgelder gingen ein im November 1900:
Central.Vorstand des Gustav-Adolf-Vereins Leipzig 1000M
Zweig-Verein des Gustav-Adolf Vereins ?  50DM
Arbeiterverein Hirschfeld    5M
Ernst Siegfried      5M

Porst trägt “nach längerem Meinungsaustausch” das Schreiben des Reisepredigers vor, der beantragt, 1. Vorsitzender des Vereins zu werden. Der Antrag wird abgelehnt.


1901
24.3.1901
Die Lieferung der Bruchsteine soll nun von den Grundstücken des Herrn Ludwig Stangl und der Frau Louise Stangl erfolgen. Das steinerne Kirchenkreuz wird von der Firma H. Schmid in Pirna gratis geliefert. Die Firma bietet auch an den Taufstein für 32M und den Kanzelfuß anzufertigen.

20.4.1901
Der Dresdener Architekt und Baumeister Robert Wohlfahrth legt die Detail-Bauzeichnungen vor.

26.4.1901
Dietz berichtet über Regensburg an Bayreuth ,
Nach Mitteilung des 1. Vorsitzenden sind die Vorbereitungsarbeiten für die protestantische Kapelle bereits vollständig abgeschlossen. Das Bauholz vom königl. Forstamt ist zubehauen und lagert schon seit längerem an der Baustelle. Desgleichen sind Sand und Kalk auch schon angefahren. Die benötigten Bruchsteine werden zur Zeit gebrochen. Die Verträge zur Lieferung der Backsteine und Ziegel sind abgeschlossen. Auch die Aufträge für Altar, Kanzel und Taufstein sind vergeben. Desgleichen auch die Fenster, zu denen Fabrikbesitzer Tasche (Gebr. Tasche, Farbglas Zwiesel) das Kathedralglas kostenlos liefert. Zur Ausführung des Baues ist ein Baumeister mit seinen Arbeitern gewonnen. Man kann beginnen, sobald die Pläne genehmigt zurückkommen. Diese liegen auch schon lange der kgl. Regierung von Niederbayern vor und werden voll Ungeduld zurück erwartet, um sie dem hohen Kirchenregiment vorlegen zu können. Die wohl vorhandenen 3000M dürften zur Bestreitung der Arbeitslöhne reichen, das Baumaterial ist gestundet auf ½ Jahr.
Die Spiegelauer Gemeindeglieder versprachen, 4000,--M gegen 4% Zinsen solange als Darlehen zu geben, bis sie durch die in Aussicht gestellte Kollekte des Konsistoriums die Rückzahlung ermöglicht.

15.5.1901
Liste der zur Verfügung stehenden Mittel des Vereins: Bar eingegangen oder fest zugesagt: 5.800 M, an Naturalien 1130M, Bürgschaftsleistungen fester Kredit Petzold und Unterstützung Gustav-Adolph-Verein Ansbach: 2.070M
Zusammen 9.500M.

21. Juni 1901
Bitte nach Bayreuth um Baubeginn

27.Juni1901 
Grundsteinlegung wird für den 28.Juli beantragt und abgelehnt, da noch keine Kostendeckung vorliegt.

1.8.1901
Abrechnung der Arbeiterlöhne für Juni/Juli 1901
Der Maurerpolier verdient 6M pro Tag, der Maurer 3,60M.

11.8.1901 Sonntag 
Die Grundsteinlegung findet statt.

14.9.1901
Von der Schatullverwaltung des Herzogs von Sachsen-Altenburg kommen 200M.

1.10.1901
Eine preussische Absage. Der preussische König und deutsche Kaiser bewilligt nur Unterstützung für Vorhaben preussischer Natur. Die Absage wird bestätigt.

1.10.1901
Jean Porst schreibt am 1.10.1901 an das königl. protestantische Consistorium
Text und bittet um Mitwirkung bei der Einweihung. Als Termin schlägt er den 31. Okt. 1901, Reformationstag vor.

9.Okt.1901
Bezirksamtmann Müller aus Grafenau wird als Vertreter der Regierung von Niederbayern zur Einweihung avisiert.

18. 10. 1901
Porst dankt dem Dekan Koch aus Regensburg für seine Unterstützung und sein Wohlwollen.
28.10.1901
Der Gustav Adolf-Verein bewilligt die ersten Gelder

Einladung zur Einweihung

31.10.1901
Einweihung der Kirche

17.11.1901
Der Evangelische Verein schreibt nach Bayreuth um 12 Gottesdienst pro Jahr genehmigt zu bekommen. Dafür will er sogar ein Fuhrwerk für den Reiseprediger stellen, wenn kein Zug fährt.

7.12.1901
Die Regierung von Niederbayern hat keine Einwendungen gegen die Abhaltung von 12 Gottesdiensten in der neuen Kirche, wenn in Grafenau auch 10 gehalten werden.

11.12.1901
Reiseprediger Dietz schickt  dem Evangelischen Verein Terminvorschläge über die zu haltenden Gottesdienste.

20.12.1901
Das königlich protestantische Oberkonsistorium “ist endlich geneigt, die 12 Gottesdienste pro Jahr zu gewähren !”. Die Auslagenfrage müsse aber noch geregelt werden und die Termine genau festgesetzt.


1902
5.2.1902
Der Reiseprediger Dietz teilt dem königlichen Konsistorium in Bayreuth die Termine der Gottesdienste mit.

13.2.1902
Das königl. protestantische Oberkonsistorium in München genehmigt die 12 Gottesdienste in Spiegelau mit der Maßgabe, dass auch in Grafenau 10 gehalten werden. Der Reiseprediger wird dafür in Viechtach von 4 Gottesdiensten befreit.

9.8.1902
Geld ist verschwunden, aber Dietz war es nicht, vielleicht war es Porst - schreibt Dietz.
 
19.9.1902
Porst berichtet, die Bayerische Vereinsbank München gebe die benöthigten 10.000DM gegen alleinige Hypothek und Bürgschaft der Firmen Ernst Petzold Neuhammer und J. Wildberger Louisenfels.

24.9.1902
Endgültige Kostenabrechnung durch Architekt Wohlfahrt, Dresden
Dabei wird auch der Voranschlag den tatsächlichen Kosten gegenübergestellt.
30.10.1902
Reiseprediger Dietz lehnt eine Feier zum Andenken an die Erbauung der Kirche ab. Begründung: Es wären eh alle dabei gewesen und wüssten noch wie es war. Er kenne seine Spiegelauer und die würden keine ernste Feier wollen, sondern Tanz und Musik. Und der Verein sei kein Vergnügungsverein.


1904
Michael Wolf löst als Reiseprediger Heinrich Dietz ab und bleibt bis 1909.

21.5.1904
München an Bayreuth: Wie sieht’s jetzt aus mit dem Geld und den Schulden?


25.7.1904
Weitere Kollekte genehmigt
Reiseprediger Wolf unterschreibt das Schreiben an Porst.


1905
12.2.1905
Generalversammlung: Porst ist noch 1. Vorsitzender. Das ist insofern interessant, als dass am 8. 12.1906  (0630) Porst der 2. Vorsitzende ist. Den Vorsitz hat jetzt Pfarrer Wolf. Anscheinend kam man mit ihm besser zurecht als mit Dietz.
Man spricht übers Geld, weitere Anträge liegen nicht vor.


1907
Jahresbericht über das Kirchenwesen in der prot. Reisepredigerstelle Zwiesel
80 000 Katholiken / 371 Protestanten
Die Bankschulden für die Kirche in Spiegelau betragen noch 3500 M+ einige 100 M andere Schulden.
Die Zahl der Protestanten geht immer mehr zurück. Es “macht einen betrübenden Eindruck, wenn bei Gottesdiensten manchmal nur 10 - 12 Personen (sich) zusammenfinden.
Das heilige Abendmahl findet 2x pro Jahr statt.!


1909
Adolf Jäger heißt der neue Reiseprediger. Er bleibt bis 1913.
14.9.1909
Bittgesuch an den hochverehrlichen lutherischen Gotteskasten in Bayern um Unterstützung zur Tilgung der Kirchenbauschulden. “Wir haben eine schöne Kirche gebaut, ein Schmuck der ganzen Gegend. Aber die Zahl der Gemeindeglieder beträgt nur ca. 50. Allein hätte man nie bauen können, nur durch günstige Umstände: der Bauplatz wurde geschenkt, Bauschulden gestundet. Vor 4 Jahren konnte die Schuld von 12.000M durch eine Kollekte auf 3500M verringert werden.” Man musste aber wegen Kündigung eines Kapitals 1500M neu aufnehmen und hat jetzt wieder 5000M Schulden. Außerdem muss man jährlich 400M Zinsen zahlen und Harmonium und Uhr sind auch noch nicht bezahlt. Die Gemeindeglieder sind zwar opferwillig, aber überfordert.
Michael Wolf unterschreibt als 1. Vorsitzender des Evangelischen Vereins.

Noch im gleichen Jahr wird Adolf Jäger Reiseprediger. Er bleibt bis 1913.


1910
22.11.1910
Nebe schreibt an den Vereinsvorstand und schlägt Verminderung des Beitrags vor.


1912
26.8.1912
Im Reisepredigerbezirk Zwiesel leben jetzt etwas über 400 evangelische unter 72000 katholischen.


1913
12.2.1913
Es gibt wieder 300 M aus Kirchensteuermitteln.

August Rabus löst Adolf Jäger als Reisprediger und 1. Vorsitzender des Vereins ab. Er bleibt bis 1922.


1914
Pfarrbeschreibung Passau von 1914 durch Kirchenrat Friedrich Hoerner

5.5.1914
Das königliche Amtsgericht moniert, dass seit 1903 keine Änderungsmitteilung des Vereins mehr eingereicht wurde. Man geht davon aus, dass dies nachlässig sei und droht einen Gerichtstermin an.


1916
28.1.1916

Wieder Bitte an den Gotteskasten.
Der Evangelische Verein hat noch immer 4300M Kirchbauschulden, muss dafür jährlich 275M Zinsen zahlen. Die Gemeinde ist ca. 80 Seelen groß, hauptsächlich Arbeiter oder Fabrikbeamte. Die Bitte wird im Februar wiederholt. Man könne die laufenden Ausgaben nicht mehr bestreiten


1918
29.10.1918
Die Glocken werden geprüft. Ergebnis: Guss-Stahlglocken ohne Wert.


1922
Die Stelle des Reisepredigers und damit zuständigen Pfarrers für Spiegelau nimmt jetzt Georg Plesch ein. Er bleibt bis 1926.


1926
Okt 1926: 25-jähriges Kirchenjubiläum und Einführung des neuen Pfarrers Hermann Kolb.
Dieser bleibt bis 1934.


1934
14.10.34
Der auch für Spiegelau zuständige Pfarrer Kolb schreibt an den Reichsstatthalter Franz Ritter von Epp, der ein Jahr zuvor den gewählten Bayerischen Ministerpräsidenten Held aus dem Amt “gedrängt” hatte.
Die Vorgeschichte: 1933 war in Bayern der überzeugte Antisemit und mit den Nationalsozialisten sympathisierende Meiser Landesbischof geworden. Der größte Teil des “Kirchenvolkes” folgte ihm. Als jedoch die nationalsozialistische Regierung die Landeskirchen auflösen wollten, protestierteen auch die Bayerischen Evangelischen.


1935
Hans Wiesinger kommt als neuer Pfarrer und bleibt bis 1947.


1938
12.2.1938
Die Gemeinschaftsschule wird abgestimmt. Pfarrer Wiesinger und Teile der Gemeinde sind dagegen un tun das auch nicht nur im Geheimen. In dem Zeitungsbericht werden sie ohne Namensnennung erwähnt: “... die Versuche gewisser Kreise, die Eltern von der Stimmabgabe abzuhalten, sind fruchtlos geblieben.”


1945
Alfred Rippel kommt als Vikar nach Spiegelau und bleibt als Pfarrer bis 1953.


1950
Die Volkszählung ergibt eine Anzahl von 1868 Evangelischen im damaligen Landkreis Grafenau, dem heutigen Kirchengemeindebereich.(Albert Strohm (hg.), Evang. Luth. Dekanat Passau, Erlangen 1984)


1951
28.10.1951
Die Kirche wird 50 Jahre alt. Zur Feier wird ein Festgottesdienst gehalten, bei dem auch der bisherige Vikar Garms zum Pfarrer ordiniert wird. Es kommen über 600 Festteilnehmer.


1952
4.3.1952
Der Evangelische Verein besteht noch.
Und die Kirche braucht eine neue Schreibmaschine, da das e und E fehlen. Aber der Pfarrer weiß sich zu helfen und ersetzt mit c und F.


1953
Der in Spiegelau ordinierte Pfarrer Garms wird für Spiegelau zuständig und bleibt bis 1958


1954
Das selbständige Evangelisch-Lutherische Pfarramt Grafenau im Dekanat Passau entsteht.


1958
Hermann von Segnitz-Boss kommt als Pfarrer nach Grafenau und bleibt bis 1964.


1961
Die Volkszählung ergibt 1002 Evangelische im Grafenauer Land


1964
Im März erhalten die Spiegelauer Straßen Namen. Die zur Kirche führende Straße erhält den Namen Martin-Luther-Straße.

Pfarrer Julius Kasperowitsch übernimmt das Amt des Gemeindepfarrers bis 1989.


1965
24.10.65
Der Evangelische Verein beschließt auf seiner Hauptversammlung, sein Vermögen (darin auch die Martin-Luther-Kirche Spiegelau an die Kirchengemeinde Grafenau zu übertragen.


1966
21.3.1966
Der Evangelische Verein wird im Vereinsregister gelöscht.


23.6.1966
Der Evangelische Verein erhält einen gerichtlich bestellten Vorstand, um die Übergabe des Vereinsvermögens und dessen Auflösung rechtswirksam werden zu lassen. Die vorherige Löschung war nichtig.

1965 - 1966
Die Kirche wird renoviert. Dabei wird die Uhr mit dem Uhrwerk demontiert, die gusseisernen Geländer werden entfernt, das einst gestiftete Sandsteinkreuz über der Giebelwand wird abgenommen. Das vorher aufwendig gegliederte Dach wird nun einfach mit Blech gedeckt.
Die gesamte Renovierung kostet ca. 52.000DM


1970
Wieder Volkszählung: 1130 Evangelische im Grafenauer Land.


1976
30.10.1976
Die Martin-Luther-Kirche wird 75 Jahre alt. Wieder findet eine große Feier statt.


1979
Eine neuerliche Renovierung wird beantragt.


1985
Das alte Harmonium tut es nicht mehr. Eine neue Orgel wird angeschafft. Am 28. Juli 1985 findet die Einweihung statt.


1989
Pfarrer Kasperowitsch wird von Erwin Weichselmann abgelöst, der 1992 die Gemeinde bereits wieder verlässt.


1992
Pfarrer Friedemann Kohler übernimmt das Amt des Gemeindepfarrers und ist damit auch für Spiegelau zuständig.


1997 -2001
Die Kirche wird innen und außen generalrenoviert. Die Renovierungskosten belaufen sich insgesamt auf  437478,79DM also fast eine halbe Million Mark!


2000
Ostern 2000. Der in Spiegelau geborenen evangelische Diakonin Gabriela Neumann-Beiler wird als erster Diakonin in Bayern die Berechtigung zur vollen Sakramentsverwaltung übertragen. Die festliche Zeremonie findet in der Martin-Luther-Kirche statt.


2001
Die Martin-Luther-Kirche wird 100 Jahre alt.
 

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Alle Rechte an Text und Bild liegen bei Hermann Beiler, Spiegelau. Vervielfältigung, auch elektronisch, Wiedergabe ohne Quellenangabe, spiegeln auf fremden Servern ohne mein schriftliches Einverständnis ist nicht gestattet. .